„Man kann nicht mehr ausgeben als man hat“ ist ein Standardsatz im politischen Geschäft, um Bürgern zu erklären, dass demnächst wieder Einschnitte bei den Sozialleistungen anstehen. Man soll sich also den Staatshaushalt ungefähr so wie sein eigenes privates Portemonnaie vorstellen. Stell dir also vor, dein Geld reicht am Monatsende mal wieder nicht und du kannst einen Nachtragshaushalt beantragen. Stell dir vor, du gerätst in eine absolute Lebenskrise und kannst dir 700 Mrd. Euro Kredite genehmigen. Quatsch? Ja.
Also: Jahr für Jahr macht der Staat neue Schulden. Woher kommt die immense Freiheit des Staates beim Schuldenmachen? Welche politische und ökonomische Logik folgt dann aus dem angesammelten Schuldenberg? Und was ist los, wenn die Finanzmärkte das Vertrauen in einen Staat verlieren? Diese Fragen wollen wir bezogen auf die Staatsverschuldung in Deutschland diskutieren.
Donnerstag 03. Mai| 19Uhr | Sturmglocke
(Klaus-Müller-Kilian-Weg 1, 30167 Hannover)
wie Deutschland Ordnung und Image gegen seine unliebsamen Verehrer von NSU & Co. verteidigen will.
Während der letzten Zehn Jahre tötete eine deutsche Nazigruppe Migranten_innen, terrorisierte ihre vermeidlichen Feinde und brachte eine Polizistin um.Wenn man weiß, wie der deutsche Staat bei anderen Gelegenheiten auf jede Anfechtung seines Gewaltmonopols reagiert, ist das, für sich genommen, schon eine erstaunliche und erstaunlich lange Geschichte.
Aber es ist mehr als das: Etwa zeitgleich zur Gründung der „Zwickauer Zelle“ hatte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nach einer erneuten Serie rassistischer und antisemitischer Anschläge im Jahr 2000 den „Aufstand der Anständigen“ ausgerufen. Von nun an sollten nicht mehr „Blackblock-Antifas“, sondern „normale“ Bürger im staatlichem Auftrag die öffentliche Ordnung gegen Nazis verteidigen.
Erst vor einem Jahr hatte die neue Jugendministerin Kristina Schröder diese staatlich geförderte Anstandsbewegung reformiert, indem sie alle Beteiligten dazu verpflichtete, ein Bekenntnis zur Staatsordnung unterschreiben zu müssen. Das eigentliche Ziel Schröders hierbei: Antifa-Gruppen, die in Wahrheit „Extremisten“, wie die Nazis selbst seien, aus dem Umfeld der erwünschten Aktivitäten zu vertreiben.
Die Aufdeckung der deutschen Nazi-Terrorserie 2011 kommentierte die deutsche Bundesregierung zwar mit lautem Bedauern, doch die Opfer und deren Angehörige wirkten dabei eher als Kulisse. Öffentlich bedauert wurde vor allem die Tatsache, dass Terroristen gegen das Gewaltmonopol des deutschen Staates so lange erfolgreich geblieben waren, und dass das Image der Nation im Ausland schaden nehmen könne.
Warum hierzulande Kritik an der rassistischen Ideologie als solcher weitestgehend Fehlanzeige ist; und wenn sie seltener Weise dann doch auftritt dann der mangelnder Rechtstreue verdächtigt wird – das wollen wir mit euch diskutieren.
Donnerstag 05. April | 19Uhr | Sturmglocke
(Klaus-Müller-Kilian-Weg 1, 30167 Hannover)
Freie Software und Privateigentum
Mit der massenhaften Verbreitung des Internets haben sich gleichzeitig verschieden Praxen, um digitale Güter zu tauschen, herausgebildet. Manche davon sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken: Fast jeder lädt Musik aus dem Internet und selbst die Bundesregierung setzt auf quelloffene Betriebssysteme. Wir wollen mit euch diskutieren, ob und wie geistiges Eigentum diesen Phänomenen zum Trotz durchgesetzt wird. Am Beispiel der freien Software wollen wir außerdem darüber reden, inwiefern Kämpfe gegen den beschränkten Zugriff auf digitale Güter bereits subversiv sind oder gar Keimzellen einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft sein können.
Donnerstag 01. März | 19Uhr | Sturmglocke
(Klaus-Müller-Kilian-Weg 1, 30167 Hannover)
Burschenschaften als Karrierenetzwerk im kapitalistischen Hauen und Stechen
Das Untertanenprinzip der Burschenschaften, nach dem Motto „nach oben buckeln und nach unten treten“ bereitet auf die Einordnung in die herrschende, durch Ausbeutung geprägte Gesellschaft vor und hilft, sich in der kapitalistischen Hackordnung durchzusetzen.
Das Lebensbundprinzip und die damit verbundene Förderung durch ältere, materiell abgesicherte Verbindungsmitglieder und der Zugriff auf ein durch Seilschaften geprägtes Karrierenetzwerk ist hierbei nicht Selbstzweck oder Akt der Wohlfahrt, sondern dient vielmehr der Reproduktion ihrer Eliten in der Gesellschaft. So verankern Burschenschaftler ihre politische Ideologie im gesellschaftlichen Diskurs und sichern sich einen Vorsprung im Hauen und Stechen um die besten Plätze in der kapitalistischen Gesellschaft.
Unter anderem diese Funktionen von studentischen Verbindungen und Burschenschaften in der kapitalistischen Gesellschaft wollen wir mit Euch unter die Lupe nehmen und diskutieren.
Donnerstag 5. Januar | 19Uhr | Sturmglocke
(Klaus-Müller-Kilian-Weg 1, 30167 Hannover)
Gentrification zwischen „Recht auf Stadt“ und Stadtpolitik
Das Stichwort Gentrification beschreibt eine Stadtentwicklung, in der im Zusammenspiel von Stadt, Kapital und Bevölkerungsbewegungen, einzelne Stadtviertel durch massiven Kapitaleinsatz so „aufgewertet“ werden, dass die vorigen ärmeren Bewohner_innen sich ihre Wohnungen und das Leben dort nicht mehr leisten können. Stattdessen ziehen Bessergestellte in die umgemodelten Viertel. In einigen Fällen scheint der Motor dieser Umwandlung dabei gerade in der sozialen und kulturellen Eigenheit der ärmeren Viertel zu liegen. Stichworte hier sind Künstlerviertel, alternative Lebensart, Platz für Ideen. Dies führt zu weiteren falschen Vorstellungen was die Gründe der „Gentrification“ angeht und entsprechend auch zu falschen politischen Forderungen. Das wollen wir diskutieren.
Donnerstag 1. Dezember | 19Uhr | Sturmglocke
(Klaus-Müller-Kilian-Weg 1, 30167 Hannover)
Politische Arbeit zwischen Lesekreis und Demotourismus
Für radikale Gesellschaftskritiker_innen ist das richtige Verhältnis von erkenntnisorientierter Theoriearbeit und politischer Praxis so etwas wie die Gretchenfrage: Mal muss der Theorie das Primat über die Praxis gegeben werden, dann wieder soll sich aus der konkreten Praxis eine Theorie entwicklen oder Theorie und Praxis sollen gleich eine Einheit bilden. Wir wollen mit euch darüber diskutieren, wie und ob politische Intervention jenseits von Aktionismus und Theorie abseits marxistischer Lesezirkel möglich ist.
Donnerstag 3.November 2011 | 19Uhr | Sturmglocke
(Klaus-Müller-Kilian-Weg 1, 30167 Hannover)
London: lang ersehnter Aufstand der Überfüssigen oder einfach nur Gewalt?
Die europäische Krise dauert an – und mit ihr eine Vielzahl sozialer Proteste in Europa. Während in Spanien die „Empörten“ für „wahre Demokratie“ auf die Straßen stürmten und die fortdauernden griechischen Proteste sich gegen massive Einschnitte in die soziale Infrastruktur richten, gingen aus England vor allem spektkuläre Bilder brennender Häuser und randalierender Jugendlicher um die Welt.
Nachdem ein 29-Jähriger in Tottenham durch Polizisten erschossen wurde, breiteten sich Anfang August Riots in zahlreichen, meist verarmten, englischen Vorstädten und Vierteln aus und zwangen Premierminister Cameron gar dazu extra seinen Urlaub abzubrechen um mit der ganzen Gewalt des bürgerlichen Staates zurückzuschlagen (3100 Verhaftungen, langjährige Haftstrafen).
Wir wollen mit euch über die Ursachen und die politische Bedeutung der Krawallwochen von London diskutieren.
Denn auch wenn das Urteil für bürgerliche Presse und Staatspersonal mit „purer Kriminalität“ schon feststeht, so gibt es doch Deutungen die einen Aufstand der Ausgegrenzten erblicken und grade in dem Ausbleiben einer klaren politischen Artikulation ein emanzipatorisches Moment sehen.
Was an diesen Deutungen vielleicht richtig und was verkehrt ist wollen wir gemeinsam diskutieren.
Donnerstag 6.Oktober | 19Uhr | Sturmglocke
(Klaus-Müller-Kilian-Weg 1, 30167 Hannover)
Weil politische Arbeit nunmal leider auch Geld benötigt bitten wir am Samstag, den 17.09., bitten wir wieder einmal zum Tanze. Auf zwei Floors im UJZ Kornstraße wird euch eine ganze Nacht Techno, Techno und noch mehr Techno dargeboten werden. Die eingenommenen Tauschmittel unterstützen die Disko Hannover Reihe, die Assoziation gegen Kapital & Nation und Fast Forward Hannover.

Upstairs:
*(House, Tech House, Techno)
Chris Muth
Chori Pan
Pink Leg
Max Marea
Siggi Jackson
Troy Polygon
Downstairs:
*(Drum`n`Bass, Dubstep)
Alien D
Elisa Raabe
EZ Eggaz
Kyrill.Riot_bpm
*Samstag 17.September *23H *UJZ Kornstraße
Die Disko-Hannover macht im August und September Sommerpause und findet dann ab 6.Oktober wieder jeden ersten Donnerstag im Monat statt.
oder: „meine“ Stadt zwischen Heuschrecken und Verfall
Das Stichwort Gentrification beschreibt eine Stadtentwicklung, in der im Zusammenspiel von Staat, Kapital und Bevölkerungsbewegungen, einzelne Stadtviertel durch massiven Kapitaleinsatz so „aufgewertet“ werden, dass die vorigen ärmeren Bewohner_innen sich ihre Wohnungen und das Leben dort nicht mehr leisten können. Stattdessen ziehen Bessergestellte in die umgemodelten Viertel. In einigen Fällen scheint der Motor dieser Umwandlung dabei gerade in der sozialen und kulturellen Eigenheit der ärmeren Viertel zu liegen. Stichworte hier sind Künstlerviertel, alternative Lebensart, Platz für Ideen. Dies führt zu weiteren falschen Vorstellungen was die Gründe der „Gentrification“ angeht und entsprechend auch zu falschen politischen Forderungen. Das wollen wir diskutieren.
Beach-Disko
Donnerstag 7. Juli | 19Uhr
am Ihmeufer
zwischen Strandleben
und Fährmannsbrücke